Moin und herzlich willkommen zum Podjournal. Ich bin Jörn Schaar,
Journalist und Podcaster aus Rieseby in Schleswig-Holstein, und ich kehre hier
einmal im Monat die Nachrichten für die deutschsprachige Indie-Podcast-Szene zusammen.
Das hier ist Episode 49 vom 1. November 2026 und irgendwie bin ich heute ein
bisschen zynisch. Vielleicht liegt es an der Nachrichtenlage.
Geht auch schon direkt los: Vor vier Wochen kam unmittelbar nach der Aufnahme
noch eine Nachricht rein, Podigee hat seine Plattform komplett überarbeitet und
will nun ein "Betriebssystem für Podcasts" sein.
Die Aufnahme, Hosting, Distribution, Statistik, Mehrfachverwertung von Inhalten
und Monetarisierung sind direkt eingebaut.
Und Podigee betont, wie offen ihr System bleibt, weil man gleich mehrere KI-Systeme
mit dem eigenen Podcast verbinden kann.
Nach eigenen Angaben wird Podigee im Plugin-Verzeichnis von ChatGPT und von Claude gelistet.
Endlich, endlich, endlich kann man damit Shownotes, Kapitelmarken und sogar
den Titel der Episode nicht mehr selber schreiben, sondern an ein LLM auslagern.
Für mich ist das ja die Hälfte des Vergnügens, aber ich mache das ja auch zum
Vergnügen und nicht, um damit Geld zu verdienen.
Alles in allem verabschiedet sich der Laden damit endgültig von der Hobby-Szene,
die Podigee vom Start weg zu dem Unternehmen gemacht hat, das es heute ist.
Unter anderem auch, weil es solche Absätze schreibt:
"Das neue Podigee richtet sich an Creator, Marketing- und Kommunikationsteams"
"sowie professionelle Podcastbetreiber wie Studios, Agenturen,"
"Verlage, Sender und Netzwerke."
"Podigee versteht sich dabei nicht nur als Anbieter von Tools,"
"sondern als Technologiepartner, der Kunden persönlich unterstützt,"
"von der ersten Episode bis hin zum Betrieb ganzer Podcastportfolios."
Auf Wiedersehen und danke für den Fisch.
Wer Zoom benutzt, um seine Podcast-Episode aufzuzeichnen, der kann die Aufnahme
jetzt direkt von Zoom aus zu Auphonic hochladen lassen.
Dazu verbindet man Zoom als Service im Auphonic-Account und los geht die wilde Fahrt.
Ich sag's ehrlich, für mich persönlich wäre das nix. Naja, vielleicht gibt's
irgendwo eine Stelle im Podcast, wo man sagt, ah, da hab ich mich vertan,
ich würd den Satz gerne nochmal aufnehmen.
Und das im Auphonic-Webinterface rauszuschneiden, weiß ich nicht, Digga.
Also nee, hätte ich gerne in der DAW. Aber schön, dass das prinzipiell geht.
Im Beifahrersitz-Newsletter von Denise habe ich gelesen, dass Substack jetzt
auch Podcast-Sponsorships anbietet, also Werbung und Premium-Abos.
Die sind da jetzt möglich, also das, was Steady oder Patreon vom Anfang an angeboten
haben, aber halt jetzt auch noch dynamisch eingebauter Werbung und eben bei Substack.
Einem Anbieter, der seit Jahren kein Problem damit hat, wenn jemand zum Beispiel
Hakenkreuze in seinem Newsletter verschickt, wegen Redefreiheit oder wahrscheinlich
hauptsächlich wegen Geld verdienen.
Spotify hat sich diesen Monat gedacht: "wenn uns nichts Neues mehr einfällt,"
"dann nehmen wir einfach das alte Zeug und sagen, dass es neu ist."
So geschehen mit den Premium-Abis. (kichert)
So geschehen mit den Premium-Abos. Die gibt's jetzt nicht mehr.
Stattdessen kann man jetzt Mitglied eines Podcasts werden und die Podcastenden
behalten nicht mehr 95% der Einnahmen, sondern nur noch 90%.
Immerhin soll es jetzt mehr aufregende Features geben, unter anderem spezielle
Abzeichen, die die Mitglieder dann im Kommentarbereich eines Podcasts neben
ihrem Namen stehen haben. Yay!
Podcastende können granularer einstellen, was das Publikum bekommt fürs Geld
und teilnehmen können Produktionen, die direkt bei Spotify oder bei Megaphone gehostet werden.
Das ist nicht die einzige Hürde. Man braucht auch mindestens drei veröffentlichte
Episoden, 100 HörerInnen oder ZuschauerInnen und mindestens 100 Wiedergabestunden
auf Spotify in den vorangegangenen 30 Tagen.
Also diese drei Episoden, die man braucht, müssen jeweils mindestens 33 Minuten
und 20 Sekunden lang sein und alle 100 Menschen im Publikum müssen sie einmal
gehört oder angeguckt haben.
Der Crossgolf Rebell hat mich auf ein Linux-Tool namens Jive Vocals hingewiesen.
Das ist ein Kommandozeilentool, das Sprachaufnahmen in ihrer Lautheit anpasst
und ein kleines Set von Nebengeräuschen entfernt.
Aufnehmen und schneiden muss man vorher schon noch selbst. Das ist also im Prinzip
so eine Art Mini-Auphonic-Ersatz in der Kommandozeile.
Ich verlinke mal einen sehr langen Blogpost mit Funktionsbeschreibungen und
technischen Hintergründen auf podjournal.de.
Apple Podcasts hat offenbar die handkuratierten Empfehlungen abgeschafft,
die es bisher für jedes Land gab.
Stattdessen gibt es jetzt ein algorithmisches Einerlei, das sich an den Hörgewohnheiten
des jeweiligen Nutzers, der jeweiligen Nutzerin, ausrichtet.
Ich bin ja echt kein Apple-Mensch, aber ich war immer ein bisschen neidisch
drauf, dass es in Apple Podcasts lokale Teams gab, die relevante Podcasts ausgewählt und vorgestellt haben.
Und, wie PodNews schreibt, ist auch der Prozess geändert worden,
mit dem man sich um eine Empfehlung bewerben konnte. Da reicht es jetzt nicht
mehr für ein Land, einen relevanten und herausragenden Podcast zu produzieren.
Da muss man schon jetzt einen internationalen Knaller raushauen.
Wenn ich mehr Zeit zum Podcasten hätte, dann hätte ich vermutlich eine Sonderfolge
zu den hochgradig kritischen PHP-Sicherheitslücken des vergangenen Monats produziert.
Gleich zwei Zero-Day-Lücken, die mit künstlicher Intelligenz entdeckt wurden und ziemlich
kritisch waren, haben viele Menschen dazu gebracht, ihre Seiten sicherheitshalber offline zu nehmen.
Die gute Nachricht ist, dass das ein so zentraler Fehler war,
dass kein Content-Management-System direkt betroffen war.
Schwierig wurde es für alle, die ihren Server komplett selbst betreiben.
Was genau passiert ist, habe ich nicht hundertprozentig verstanden,
aber es gibt ja zum Glück Menschen, die viel schlauer sind als ich, was sowas angeht.
Und von denen verlinke ich einen Artikel, der das erklärt. Auf podjournal.de. Logisch.
Das war's dann auch jetzt für diesen Monat. Ende Dezember dann hoffentlich wieder
mit weniger zynischen Themen.
Feedback, Kritik und Anregungen erreichen mich am zuverlässigsten per Mail an
redaktion@podjournal.de oder halt direkt im Fediverse.
Alle Kontaktmöglichkeiten und die Shownotes stehen auf podjournal.de.