Track 1: Moin und herzlich willkommen zum Podjournal. Ich bin Jörn Schaar,
Track 1: Journalist und Podcaster aus Rieseby in Schleswig-Holstein und ich kehre hier
Track 1: einmal im Monat die Nachrichten für die deutschsprachige Indie-Podcast-Szene zusammen.
Track 1: Das hier ist Episode 45 vom 2. Juli 2026,
Track 1: und mein Studio ist nach einem Starkregenereignis gerade nicht wirklich benutzbar,
Track 1: deswegen erscheint diese Episode später als geplant und sie ist auch nicht so
Track 1: umfangreich, wie ich das eigentlich gerne hätte. Danke, Klimawandel!
Track 1: Im Sendegate wird gerade über eine Änderung beim Preismodell von Podigee diskutiert.
Track 1: In einer E-Mail, die mir auch vorliegt, werden Kunden darauf aufmerksam gemacht,
Track 1: dass es neue Hosting-Pakete gibt und dass alle Kunden automatisch am 3.
Track 1: August auf diese Pakete umgestellt werden.
Track 1: Problem: Die sind teurer als bisher und einige davon sind auf eine bestimmte
Track 1: Zahl von Downloads begrenzt.
Track 1: Das neue Startpaket kostet nun 19 Euro pro Monat oder 210 Euro pro Jahr und
Track 1: es enthält einen Podcast, unbegrenzt langes Audio, 30 Minuten Video und 100
Track 1: AI-Credits pro Monat sowie 90 Tage Analytics.
Track 1: Und das Paket gilt nur, wenn man innerhalb von 30 Tagen maximal 6.250 Hörende hat.
Track 1: Das wird im Sendegate gerade heftig kritisiert, weil KI-Funktionen und Videoepisoden
Track 1: von den Diskutierenden halt einfach nicht gewünscht sind. Man kann sie aber auch nicht abwählen.
Track 1: Die Limitierung auf eine bestimmte Anzahl von Hörenden wird vermutlich dazu
Track 1: führen, dass man in das nächsthöhere Paket wechseln muss, das dann auch wieder
Track 1: entsprechend teurer ist.
Track 1: Ich habe gerade wegen der Überflutung meines Podcast-Studios,
Track 1: das auch mein Homeoffice ist, nicht die Löffel für eine tiefgreifende Recherche.
Track 1: Deswegen nur ein Tipp aus Verbraucherschutz-Sicht:
Track 1: Wem das alles zu blöd ist, der hat mit dieser Ankündigungs-Mail ein Sonderkündigungsrecht.
Track 1: Man kann also auch aus einem Jahresvertrag wegen dieser Preiserhöhung aussteigen.
Track 1: Es gibt natürlich auch noch andere deutsche Hosting-Dienste,
Track 1: die vielleicht ein passenderes Feature-Set haben und die auch DSGVO-konform arbeiten.
Track 1: Dass Podigee irgendwann die Preise anziehen würde, war bei dem schnellen Aufwuchs eigentlich klar.
Track 1: Ich habe hier schon über einige Sachen gesprochen. Zum Beispiel,
Track 1: dass Podigee einer von vier Hostern weltweit ist, der das Videopodcasting für
Track 1: Spotify anbieten kann und wohl der einzige, der das auch noch mit Apple Podcasts
Track 1: und YouTube kombiniert.
Track 1: Das heißt aber auch, dass viele Hobby-Podcastende dabei einfach hinten runterfallen
Track 1: müssen, weil diese ganzen Features eben Geld kosten, das nur durch große Kunden
Track 1: wieder eingespielt werden kann.
Track 1: Schade ist das auf jeden Fall, gerade weil Podigee sich auch nach wie vor in
Track 1: der Open-Source-Szene engagiert und zum Beispiel bei Podlove mithilft.
Track 1: Aber am Ende, und ich sage das ganz ohne Häme oder sowas, ist das der Preis,
Track 1: den man eben auch für einen Hosting-Dienstleister bezahlt.
Track 1: Man hat zwar keinen Stress damit, seinen Kram selber zu hosten,
Track 1: das wird technisch alles vom Dienstleister übernommen, aber man ist dann eben
Track 1: auch der Spielball von Geschäftsentscheidungen.
Track 1: Wer übrigens seine Produktion selber hostet und dafür WordPress und Podlove
Track 1: benutzt, der bekommt jetzt vom Podlove-Team ein paar Tipps dafür,
Track 1: wie man seinen Server gegen Angriffe abhärten kann.
Track 1: Einige setzen erweiterte Kenntnisse voraus, da geht es um die Ausführbarkeit
Track 1: von PHP-Dateien in bestimmten Verzeichnissen, andere würde ich als selbstverständlich bezeichnen.
Track 1: Ich verlinke das Dokument in den Shownotes auf podjournal.de.
Track 1: Und ganz passend dazu: offenbar geht eine weitere Welle von Brute-Force-Angriffen
Track 1: auf WordPress-Installationen um.
Track 1: Ich sehe jedenfalls ziemlich viele gezielte Angriffe auf einige meiner Installationen,
Track 1: längst nicht alle, aber einige.
Track 1: Früher wurde oft Admin als Nutzername probiert.
Track 1: Inzwischen haben auch diese Angriffsscripts verstanden, dass dieser Nutzername
Track 1: nicht mehr möglich ist bei WordPress.
Track 1: Und deswegen versuchen sie es jetzt mit den Klarnamen von Beteiligten.
Track 1: Meine ganz dringende Empfehlung, und das setze ich tatsächlich schon seit Anfang
Track 1: an um: der Nutzername muss ungleich des öffentlichen Namens sein.
Track 1: Also wenn jemand im Podcast in den WordPress-Autoreinstellungen beispielsweise,
Track 1: Claudia heißt, dann darf der Nutzername, den man bei WordPress braucht,
Track 1: um sich einzuloggen, nicht auch Claudia sein, sondern Beate oder Strandkorbliebe99 oder sowas.
Track 1: Das ist ja vollkommen egal, Hauptsache es unterschiedlich von dem Namen,
Track 1: der öffentlich angezeigt wird.
Track 1: Starke Passwörter sind Pflicht und natürlich auch Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Track 1: Eine sehr traurige Nachricht gibt es von fyyd. Das sehr großartige Podcast-Verzeichnis
Track 1: wird über kurz oder lang geschlossen.
Track 1: Grund ist eine Abmahnung, die Eazy von der DPA bekommen hat.
Track 1: Konkret geht es um die Verwendung eines NDR-Podcast-Logos.
Track 1: Ich vermute, dass der NDR das Bild von der DPA lizenziert hat und diese nun
Track 1: denkt, dass auch Verzeichnisse wie FÜT eine solche Nutzungslizenz brauchen,
Track 1: um das Bild anzeigen zu dürfen.
Track 1: Eazy schreibt selbst bei Mastodon, dass er nicht glaubt, dass das vor Gericht Bestand hätte.
Track 1: Aber er hat gesundheitlich gerade genug Probleme und will sich in diesem Stress
Track 1: nicht auch noch ans Bein binden, zumal trotz allem mit sowas ein nicht unerhebliches
Track 1: finanzielles Risiko verbunden ist.
Track 1: Ich habe es schon bei Mastodon geschrieben, ich sage es hier nochmal,
Track 1: vielen Dank für die ganze Arbeit an fyyd und sehr richtig, die eigene Gesundheit
Track 1: nach vorne zu stellen. Alles Gute.
Track 1: Heißt natürlich auch, dass ich bei mir in den Blogs alle Verlinkungen auf fyyd
Track 1: über kurz oder lang ändern muss.
Track 1: Danke, dpa. Das ist, warum wir keine schönen Sachen im Internet haben können.
Track 1: Geht immer nur ums Geld. Arschgeigen.
Track 1: Die andere schlechte Nachricht für diesen Monat kommt von Podcasts.social.
Track 1: Das ist die Mastodon-Heimat für sehr viele Podcasts aus dem deutschsprachigen Raum.
Track 1: Und auch hier droht das aus. Bisher wurden die Kosten von einem Mäzen getragen,
Track 1: der die Zahlungen jetzt kurzfristig und unangekündigt eingestellt hat.
Track 1: Der Betreiber, Markus Richter, kann das finanziell nicht komplett allein stemmen
Track 1: und bittet nun um Unterstützung.
Track 1: Also hier mal ein Ausschnitt aus der Rechtsbelehrung Folge "Orbiter Dictum 19", wo er das erklärt.
Track 2: Ich bin auch sozusagen am entscheiden, wie das geht. Also will ich das vielleicht
Track 2: doch offiziell sagen, hier ist diese Instanz, ich tue es für die Allgemeinheit,
Track 2: aber ich will es eigentlich ungern alleine bezahlen, gib mir Geld.
Track 2: Aber das Ding ist, wie wir in der Rechtsbelehrung schon viel gelernt haben,
Track 2: sobald Geld fließt, schwierig.
Track 2: Dann gibt es so Dinge, dann kann man Unternehmertum und so weiter und so fort.
Track 2: Deswegen ist an dieser Stelle ausnahmsweise das nicht Werbung für die Mastodon-Instanz
Track 2: Podcast Social, sondern Werbung für Markus Richter.
Track 2: Weil was ich mir überlegt habe, ist, ich kann diese Instanz sozusagen sehr gut
Track 2: betreiben, solange es mir, Markus Richter, wirtschaftlich gut geht.
Track 2: Wann geht es mir, Markus Richter, wirtschaftlich gut?
Track 2: Wenn zum Beispiel Leute meine Podcasts hören und dafür vielleicht ein paar Spenden
Track 2: einwerfen oder ich bin freier Journalist und Bühnenmoderator,
Track 2: wenn ihr mich für eure Tagung, was auch immer, bucht, dann ist der Betrieb dieser Instanz kein Problem.
Track 2: So, das ist der Stand heute. Ich werde mich mit fachkundiger rechtlicher Begleitung
Track 2: vielleicht nochmal mit dem Thema genauer beschäftigen.
Track 2: Aber das wollte ich euch wissen lassen. Und ich glaube, wir haben,
Track 2: wenn man so in die Podcast-Landschaft schaut, im Durchschnitt mehr Prozent Mastodon-HörerInnen
Track 2: als viele andere Podcasts.
Track 1: Der Link zur Episode und zu den Unterstützungsmöglichkeiten von Podcasts.Social
Track 1: bzw. von Markus steht in den Shownotes auf podjournal.de.
Track 1: Der Indie-Podcast-Day steht vor der Tür. Am 4. Juli können wir unsere Geschichten
Track 1: auf Social Media teilen. Wie sind wir zum Podcasting gekommen?
Track 1: Welche Hürden, welche Tiefs haben wir da überwunden?
Track 1: Teilen wir das doch mit der ganzen Welt unter dem Hashtag IndiePodDay.
Track 1: Ich finde es ganz schön, was Organisator Liam dazu im Newsletter schreibt:
Track 1: Eine Indie-Podcasterin zu sein, hat ganz wenig Glamour. Die meiste Zeit ist
Track 1: es dreckige, undankbare Arbeit hinter den Kulissen, die man so gut erledigt,
Track 1: dass es niemand wahrnimmt. Das ist das Paradox an einer guten Show.
Track 1: Sie wirkt einfach und locker. Indie-Podcasts vergrößern das um den Faktor 100.
Track 1: Die Tiefs sind tiefer und die Herausforderungen sind manchmal kaum zu stemmen.
Track 1: Aber es fühlt sich super an, wenn es funktioniert.
Track 1: Also nehmen wir doch einfach diesen ganzen Mist, der gerade im vergangenen Monat
Track 1: kam. Studio mit Wasserschaden, Preiserhöhung bei Podigee, Abmahnung für fyyd,
Track 1: Geldnot bei Podcast Social und lassen das mal für einen Tag hinter uns.
Track 1: Erzählen wir einerseits davon, was schwierig ist am Hobby-Podcasting,
Track 1: aber vergessen wir dabei auch nicht die schönen Momente und Geschichten,
Track 1: die uns den Spaß am Hobby erhalten.
Track 1: Ich nehme mir jedenfalls fest vor, das zu machen und ich wünsche euch,
Track 1: dass ihr das auch könnt. Und nächsten Monat gibt es dann wieder mehr Recherche fürs Podjournal.
Track 1: Feedback, Anregungen und Kritik erreichen mich am zuverlässigsten unter redaktion@podjournal.de.
Track 1: Alle Links zu den Themen dieser Episode und auch die Kontaktmöglichkeiten findet ihr auf podjournal.de.