039: Apple ist jetzt auf dem Stand von 2015
S01:E39

039: Apple ist jetzt auf dem Stand von 2015

Episode description

Apple hat die automatisch generierten Kapitelmarken inzwischen ausgerollt und feiert das, als sei es die beste Erfindung seit dem Döner. Dabei sind Kapitelmarken in Podcasts schon seit mehr als 10 Jahren ein Ding und es wurde echt mal Zeit, dass Apple hier auch mal in die Hufe kommt. Außerdem spreche ich in dieser Episode unter anderem über den Auphonic Denoise-Editor, die neue AntennaPod-Version, die jetzt abgeschlossene Podcasts archivieren kann, und über einen vermeintlichen Trend zu “liquid content” im Podcasting.

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0:09

Jörn: Moin und herzlich willkommen zum Podjournal. Ich bin Jörn Schaar,

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Jörn: Journalist und Podcaster aus Rieseby in Schleswig-Holstein und ich kehre hier

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Jörn: einmal im Monat die Nachrichten für die deutschsprachige Indie-Podcast-Szene zusammen.

0:20

Jörn: Das hier ist Episode 39 vom 1. Januar 2026. Frohes neues Jahr!

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Jörn: Die automatisch generierten Kapitelmarken von Apple Podcasts sind angekommen

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Jörn: und Apple feiert das in einer Mail als den größten Wurf seit der Erfindung des Döners.

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Jörn: Wie gut Kapitelmarken sind, wissen wir spätestens, seitdem Overcast-Entwickler

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Jörn: Marco Arment auf Druck der deutschen Community Kapitelmarkensupport in seine

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Jörn: App geschrieben hat und in die Release Notes schrieb: "Don't doubt the Germans." Das war 2015.

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Jörn: Schön, dass Apple jetzt auch auf diesem Wissensstand angekommen ist.

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Jörn: Das Gute ist, dass ich mit meiner Einschätzung von vor vier Wochen einigermaßen falsch lag.

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Jörn: Nicht die Kapitelmarken im JSON-Format sind relevant, wenn man eigene Kapitelmarken

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Jörn: bereitstellen möchte, sondern das Tag "Podcast Chapters" im Feed.

1:08

Jörn: Das wird von einigen Hostern sowieso schon reingeschrieben und seit der Plugin-Version

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Jörn: 4.3.1 nun auch vom Podlove Publisher.

1:16

Jörn: Also da ist kein Stress erforderlich, um eigene Kapitelmarken bereitzustellen.

1:20

Jörn: Apple wäre aber nicht Apple, wenn es nicht eine rigide Anweisung für

1:25

Jörn: "gute" Kapitelmarken mitgeben würde. Ich lasse zitieren:

1:30

AI-Stimme: Füge mindestens drei Kapitel hinzu. Beschränke dich auf maximal sechs Kapitel pro Stunde.

1:36

AI-Stimme: Stelle Kapitel bereit, wenn deine Folge länger als zehn Minuten ist.

1:41

AI-Stimme: Deine Kapitel sollten nicht kürzer als zwei Minuten sein. Beschränke dich bei

1:46

AI-Stimme: Kapitelüberschriften auf maximal 45 Zeichen und weniger als 5 Wörter.

1:52

AI-Stimme: Vermeide es, Wörter in den Kapiteln zu wiederholen. Verwende Groß- und Kleinschreibung

1:58

AI-Stimme: für Kapitelüberschriften.

2:00

AI-Stimme: Schreibe die Zahlen eins bis neun aus und verwende Ziffern für Zahlen größer als 10.

2:06

AI-Stimme: Schreibe Ordinalzahlen bis 10 aus. Verwende dann Zahlen, zum Beispiel erstens, zweitens, drittens, 11., 12., 13.

2:16

Jörn: Das verlinke ich alles mal in den Shownotes dieser Episode. Da findet sich dann

2:19

Jörn: auch der Hinweis, wie man aus automatisch generierten Kapitelmarken Opt-out machen kann.

2:25

AI-Stimme: Ich bin nicht echt.

2:27

Jörn: Ja, ist ja gut jetzt.

2:30

Jörn: Auphonic macht den Denoiser krasser, denn jetzt kann man einstellen,

2:34

Jörn: wo der nicht eingesetzt werden soll. Es gibt einen Editor dafür.

2:37

Jörn: Und wenn also ein Hintergrundgeräusch zufällig entsteht und man im Podcast darauf

2:40

Jörn: Bezug nimmt und es gerade so witzig ist oder es eigentlich doch dazugehört,

2:45

Jörn: keine Ahnung, ein Rülpser im Haialarm-Podcast zum Beispiel oder das Öffnen

2:49

Jörn: einer Bierflasche, dann würde der Denioser das eigentlich entfernen.

2:53

Jörn: Es sei denn, man nutzt den Editor und sagt: "Hier bitte nicht."

2:56

Jörn: Das ist ein bisschen frickelig zu machen, wollen wir ehrlich sein.

2:59

Jörn: Man muss erstmal die Produktion durchlaufen lassen.

3:02

Jörn: Dann gibt es diese Anzeige mit der fertigen Produktion.

3:05

Jörn: Und da kann man dann reinzoomen und mit vier bis sieben Mausklicks einen Bereich

3:09

Jörn: definieren, für den man den Denoiser ganz abschalten oder einen anderen Denoiser,

3:14

Jörn: einen anderen Filter anwenden kann.

3:16

Jörn: Danach muss man die Produktion dann nochmal laufen lassen und das ist kostenlos.

3:19

Jörn: So wie immer bei Auphonic, wenn sich die Quelldateien nicht verändern,

3:23

Jörn: es dauert natürlich dann nochmal genauso lange, bis man damit fertig ist.

3:28

Jörn: Heißt für mich, für meinen eigenen Workflow: Einfacher ist es,

3:32

Jörn: solche Geräusche dann auf eine extra Spur zu ziehen, auf die man Denoise überhaupt

3:37

Jörn: gar nicht erst anwendet.

3:38

Jörn: Also ich schneide dann in meiner Produktion beispielsweise den Rülpser raus,

3:42

Jörn: ziehe den runter auf eine Spur, die "Geräusche Benni" oder "Geräusche Jörn" heißt

3:47

Jörn: und da landen eben auch alle anderen Sachen, wie öffnen von Getränkeflaschen oder sowas,

3:52

Jörn: was halt einfach in den Podcast reingehört, aber so im Hintergrund stattfindet

3:55

Jörn: und rausgeschnitten würde. Ich mache halt eine Multitrack-Produktion und

4:00

Jörn: kann dann sagen: "diese Geräusche, Spuren, die ich hier habe,"

4:04

Jörn: "darauf wird kein Denoise angewendet."

4:06

Jörn: Das geht natürlich nur, wenn man für Auphonic bezahlt.

4:09

Jörn: Multitrack ist ein Feature, das dort ab 20 Minuten, glaube ich, kostenpflichtig ist.

4:15

Jörn: Dann gibt es eine neue AntennaPod-Version. Damit kann man jetzt Podcasts,

4:19

Jörn: die man nicht mehr weiterhören will, archivieren.

4:21

Jörn: So bleiben sie im Hintergrund erhalten und stehen weiterhin in der Hörstatistik,

4:25

Jörn: die, um ehrlich zu sein, noch ein bisschen besser versteckt worden ist.

4:28

Jörn: Außerdem werden jetzt Transkripte unterstützt und AntennaPod bietet die Option,

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Jörn: direkt aus dem Transkript zu kopieren, um beispielsweise ein richtig gutes Zitat zu teilen.

4:38

Jörn: Hier wäre zum Beispiel eins, das man sehr gut teilen kann.

4:41

Jörn: Jahreszeitbedingt gibt es in der App auch wieder den personalisierten und lokal

4:44

Jörn: auf dem Gerät erzeugten Jahresrückblick Echo, der anzeigt, wie lange man in

4:48

Jörn: diesem Jahr Episoden angehört hat und welche fünf Podcasts am häufigsten in der Wiedergabe waren.

4:53

Jörn: Ich habe beim Blick in die generelle Statistik gelernt, dass ich im Vergleich

4:57

Jörn: zu 2024 100 Stunden mehr Podcasts gehört habe.

5:02

Jörn: Kein Wunder, dass die App mich als "Podcast-Junkie" einsortiert.

5:07

Jörn: Stichwort "Jahresende": Wir haben alle den Hindenburg-Adventskalender verpasst.

5:11

Jörn: Im Dezember gab es dort jeden Tag ein kleines Leckerchen für Audio-Storyteller.

5:16

Jörn: Das ist zum Glück alles noch online und ich verlinke das in den Shownotes.

5:22

Jörn: Nutzende von Ultraschall kennen die Funktion des "Ripple Insert Recordings" schon

5:26

Jörn: etwas länger. Jetzt kommt sie auch zu Audacity.

5:29

Jörn: In Version 4 kann man also nachträglich noch etwas aufnehmen und das eben auch

5:32

Jörn: in der Mitte der alten Aufnahme.

5:34

Jörn: Und das, was schon aufgenommen war, wird dabei einfach nach hinten verschoben.

5:38

Jörn: Das erklärt der Chefentwickler in einem sehr unterhaltsamen YouTube Short und

5:42

Jörn: das findest du als Link in den Shownotes auf podjournal.de.

5:46

Jörn: Im Newsletter von Andreas Wollschläger habe ich gelesen, dass sich Podcasts

5:50

Jörn: im kommenden Jahr vielleicht nochmal verändern könnten.

5:53

Jörn: 2026 sei "das Jahr des Liquid Content", zitiert Andreas den Geschäftsführer von

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Jörn: Amplify Media, Steve Goldstein.

6:01

Jörn: Podcasts würden nicht mehr als fixes Format verstanden, sondern als flexible

6:04

Jörn: Erzählform auf unterschiedlichen Ausspielwegen, also Audio, Video,

6:08

Jörn: Social Clips, Live Events oder auch Newsletter, you name it.

6:13

Jörn: Andreas meint, das sei ein Paradigmenwechsel hin zu einem besseren Verständnis

6:16

Jörn: des Nutzerverhaltens, soll also heißen, die Inhalte sollen dort auftauchen,

6:21

Jörn: wo die Menschen sie gerade brauchen.

6:23

Jörn: Ich persönlich brauche meine abonnierten Podcasts ausschließlich im Kopfhörer

6:27

Jörn: oder im Lautsprecher meines Autos, aber da dürfen alle anders sein.

6:31

Jörn: Und um es jetzt noch ganz polemisch abzuschließen: Meine Inhalte zu verflüssigen

6:35

Jörn: ("Liquid Content") würde vielleicht dazu führen, dass sie verwässern.

6:39

Jörn: Haben wir da schon mal drüber nachgedacht?

6:42

Jörn: PodNews hat in diesem Monat einen interessanten Artikel zur AI-Nutzung im Podcasting.

6:47

Jörn: Das ist nämlich ein juristisches Minenfeld. Zum Beispiel könne man ein AI-generiertes

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Jörn: Podcast-Logo sich nicht schützen lassen.

6:56

Jörn: Und zu guter Letzt habe ich noch einen Hörtipp: Carina und Sandro Schröder waren

7:00

Jörn: bei der "So Many Voices" in München und haben ein sehr liebevoll produziertes

7:04

Jörn: Review dazu veröffentlicht.

7:05

Jörn: Die Episode ist voller Geräusche, voller kurzer Interviews und eigener Eindrücke

7:10

Jörn: und es macht richtig Spaß beim Hören. Man fühlt sich sofort,

7:12

Jörn: als wäre man selber dagewesen.

7:15

Jörn: Das war's für diesen Monat. Alle Links zu dieser Episode finden sich in den

7:18

Jörn: Shownotes auf podjournal.de und da sind auch alle Kontaktmöglichkeiten zu mir aufgelistet.

7:23

Jörn: Themenvorschläge, Kritik und sonstiges Feedback erreicht mich am zuverlässigsten

7:27

Jörn: per Mail an redaktion@podjournal.de oder direkt über das Fediverse.

7:32

Jörn: Und auf E-Mails antworte ich meistens innerhalb von vier Wochen.

7:36

Jörn: Schöne Grüße nach München.